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Freitag, 21. Juni 2024

 

Ein junger Mensch auf dem Weg zurück zu seinem Leben von vor drei Jahren (06/2021 – 06/2024)

Wenn ich jetzt den Titel so lese, dann durchfährt mich tatsächlich ein Schauer, es läuft mir kalt den Rücken hinunter und mein Herz ist aufgewühlt. Aber genau so ist es.

Denke ich genau drei Jahre zurück, dann war da unsere Welt nicht mehr in Ordnung. Ein paar Monate vorher hatte ich beim Y. schon Veränderungen festgestellt. Er ist immer zurückhaltender geworden, introvertierter, stiller, antriebsloser, verschlossener.

Im Sommerurlaub im August war der absolute Höhepunkt – er war in eine so tiefe Depression mit Angstzuständen und Panikattacken gefallen. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas möglich ist.

der neue Schreibtisch 
Ab September 2021 waren wir dann in psychologischer/psychiatrischer Behandlung, die Medikation musste erst auf ihn abgestimmt werden. Leider ein ziemlich langer Prozess, denn erst nach einigen Wochen war es dann sicher, dass wir eine andere Kombination von neuen Medikamenten ausprobieren mussten. Jeder Patient reagiert anders auf die entsprechenden Medikamente, da ist viel Vertrauen zu den Ärzten, ganz viel Geduld und noch mehr Verständnis für den Patienten nötig. Und für den Rest der Familie.

Nach dem Winter 2020/2021 mit den ganzen Schliessungen aller Einrichtungen, C.-Ansteckungen Woche für Woche bei jedem einzelnen Familienmitglied, dem Schneesturm Philomena, der hier bei uns in Madrid nie erlebte Schneeverwehungen mit sich brachte, den immer übler werdenden Nachrichten fasste Y. scheinbar den Entschluss, irgendwie mit allem Schluss zu machen und zog förmlich aus seinem Zimmer aus. (Wir werden nie erfahren, was genau seine Gedanken waren, er hat ja Down-Syndrom, verbal können wir ihn vielfach nicht wirklich verstehen: wir denken seine Gedanken nicht, wir sprechen seine Sprache nicht. Er ist halt doch irgendwie ein Engel von einem anderen Stern). Er packte alle seine Bücher, alle seine Trophäen und Medaillen, alle seine Besitztümer in Kisten und brachte sie vom 2. Stock in die Garage. Er machte irgendwie einen Schluss-Strich unter seinem bisherigen Leben.

Du beobachtest das und es bricht dir das Herz wie dein Kind sich so verändert und direkt Abschied nimmt vom Bisherigen. Aber wir liessen ihn, wir versuchten es zwar vorsichtig, behutsam, aber letztendlich hinderten wir ihn dann doch nicht daran. Es war offensichtlich ein für alle Mal entschieden und wichtig für ihn. Von da ab lebte er, wenn er zuhause war (und das war ja ab da sehr häufig und langfristig der Fall), nur noch auf dem Sofa, völlig apathisch, völlig abwesend, stundenlang nur da sitzen. Nichts machen, nichts tun, einfach nur sitzen mit leerem Blick in den Fernseher hinein. Oder nur in den Raum. Er schlief bei uns im Schlafzimmer, nachts immer kontrollierend, ob wir noch da sind. Die ganzen letzten drei Jahre.

Und jetzt, vor ein paar Wochen – plötzlich – fing er an, vereinzelt bestimmte Dinge aus den Kisten in der Garage zu holen. Er wusste ganz genau, wo und in welcher Kiste er damals was verstaut hatte! Das finde ich so genial – ich hätte das sicherlich vergessen in dieser Zeit.

ein Teil seiner Stifte
Und danach Woche für Woche brachte er eine Kiste nach der anderen zurück in sein Zimmer. Er ist inzwischen wieder eingezogen in sein Zimmer, alle seine Sachen sind wieder einsortiert in den Regalen und in der Vitrine. Und er beginnt auch wieder nachts für mehrere Stunden in seinem Bett dort zu schlafen!

mit Fotos im PC als Vorlage
Er begann auch wieder Wünsche zu äussern – das war die ganzen drei Jahre nicht der Fall. Wenn er nicht völlig "durchdrehte" und schrie und tobte, kein Ton, kein Wunsch, kein nichts. Also wirklich nur die zwei Enden einer Skala: 0 oder 100. Und jetzt wünschte er sich einen neuen Schreibtisch, so wie der von seiner Schwester, in weiss bitte.

Ein Wunsch! Vom Y.! Nach so langer Zeit ein echter, klar artikulierter Wunsch von ihm. Klar, wir machten einen Familien-Ausflug und fuhren zum grossen Schweden für seinen neuen Schreibtisch, renovierten sein Zimmer – und jetzt verbringt er seit ca. 10 Tagen immer wieder und immer häufiger Zeit in seinem Zimmer an seinem neuen Schreibtisch mit PC und malen … Er geht selbst hinauf, bleibt über längere Zeit 1-2 Std., kommt runter, geht wieder nach oben, aus eigener Motivation, aus eigener Initiative! Sein Zimmer existiert wieder für ihn, er lebt wieder in seinem Zimmer, mit seinen eigenen Sachen. Er kommt zurück.

Wer hätte gedacht, dass einen sowas „Alltägliches“ so emotional berühren kann.

#Depression #LebenMitDepression #AlltagMitDepression #DepressionBeiFamilienmitglied #pflegendeAngehörige #pflegenderAngehöriger 







Montag, 11. September 2023

Aller Anfang ist schwer - gerade mit Depression

 

blog Montag 11.09.2023

 

Die erste Woche nach der langen Sommerpause (8 Wochen) haben wir eigentlich ganz gut wieder hinbekommen – also mit Y. (30, Down-Syndrom, Depression mit Angst- und Panikattacken).

Morgens, natürlich, mit dem gewohnten Widerstand, mal mehr, mal weniger heftig, aber wir haben es täglich geschafft, dass er wieder ins Centro (Werkstätte) geht. Noch waren nicht alle Nutzer wieder zurück, manche hängen "aus Umständen“ einfach noch eine Woche dran. Aber ab heute sind sie alle wieder zurück.

Erste Zeit der C.-Zeit zuhause - da war die Welt noch in Ordnung

Und heute war der Widerstand bei Y. echt äusserst extrem. Den Kleinbus vom Centro haben wir nicht geschafft – wir sind spät aufgestanden heute Morgen wegen dem heftigen Gewitter in der Nacht, wir hatten einiges zu managen zwischen 2 und 4 Uhr morgens. Also bin ich mit Y. gleich im Auto durchgestartet. Schon während der Fahrt (und vorher zuhause auch) hat er sich lautstark, schimpfend und fluchend weigern wollen ins Centro zu gehen.

Ok, von sowas lasse ich mich inzwischen nicht mehr aus der Ruhe bringen. Ich weiss ja, dass dieser resolute Widerstand mit der Depression zu tun hat. Und er ist eigentlich wirklich sehr gerne dort, seit seiner Erkrankung vor zwei Jahren sind alle Mitarbeiter – und seine Freunde dort sowieso – so sehr auf ihn eingestellt; sie kennen ihn alle von vor der C-Zeit als fröhlich, neugierig, hilfsbereit, begeistert von allen Tätigkeiten, die er dort hat … Es war sein zweites zuhause und er fragte jedes Wochenende, ob er wieder dorthin gehen darf.

Wie gerne hat er Fussball gespielt - schade, vorbei bis jetzt.


Heute - dort in der Auffahrt vor dem Eingang des Centros angekommen - Blockade total! Er blockiert die Öffnungsknopf der Türe mit seinen Fingern – das kenne ich schon. Deshalb gehe ich mit dem elektronischen Schlüssel gleich von draussen dran, habe die Hand bereits am Türgriff, während ich mit der anderen Hand den Schlüssel betätige. Meistens gelingt das in einem Bruchteil einer Sekunde und die Tür ist auf, also offen. (Oft genug braucht's mehr Ansätze :D)

Nein, nein, nein, er will nach Hause, schimpfen, fluchen, schreien!

Da habe ich allerdings noch eine Hürde – der Gurt. (Wer hat nur diesen Gurt erfunden! :D) Yannick krallt sich mit beiden so dermassen fest, da hast du alleine fast keine Chance ihn davon ab zu bringen. Er hält die linke Hand auf der Steckvorrichtung. Nur vom hinteren Sitz gelingt es mir, den Knopf dort zu drücken – unter erschwerten Umständen von ihm fest umklammert, um den Gurt zu lösen. Alles – wie gesagt mit innerer Ruhe, äusserer Stärke. Jetzt „nur“ noch die Hände vom Gurtband lösen – zwei! Hände.

Da braucht’s wohl dosierte Kraft, denn ich will ihm ja nicht wehtun, er allerdings setzt absolut volle Kraft ein. Manchmal geht die Rechnung auf. Meistens ist zu diesem Zeitpunkt auch schon Hilfe aus dem Centro da, allerdings dürfen sie – und das ist auch richtig so – keine Kraft einsetzen, nur Geduld, Taktik, ruhiges Zureden …

Wenn ich jetzt noch seine Beine aus dem Auto bekomme, dann geht’s meistens schon mit seinem eigenen Dazutun zu diesem Moment, da löst sich seine Blockade schon so langsam. (Diese Blockade hat echt ausschliesslich mit der Depression zu tun, denn er ist in diesem Centro wirklich, wirklich so gut „aufgehoben“. Es ist das beste Team dort ever! Wir arbeiten alle zusammen, wir die Eltern, die Mitarbeiter dort, die Direktorin, die Rezeptionisten, der Busfahrer, die Begleitpersonen, alle, alle. Da lasse ich nichts, aber auch echt gar nichts auf das Personal und dieses Centro kommen, da haben wir aller-, allergrösstes Vertrauen.)

Aber heute ging nichts mehr. Eine neue Taktik muss her, denn eines ist sicher: ich werde nicht mit ihm nach Hause fahren – diese Aktion wäre absolut kontraproduktiv.

Du fragst dich jetzt wahrscheinlich, vielleicht ist aber wichtig, dass er zu Hause ist, vielleicht hat er ja was Bestimmtes vor? Nein – er sitzt den ganzen Tag nur auf dem Sofa und schaut fern. Ok, er schaut wenigstens den ganzen Tag ARTE, da kommen wenigstens noch etwas bessere Dokumentarfilme über Tiere, Natur, etc. Aber trotzdem – es ist in keinster Weise förderlich. Er beschäftigt sich mit nichts, und es ist so schwierig ihn zum sich-beschäftigen zu bewegen. Er braucht seine Freunde um sich herum, er braucht seine Routine – das A und O bei dem Heilungsprozess einer Depression.

Also, habe ich ihm mit Absprache der Psychologin vom Centro (alle sind da immer involviert) gesagt, er kann im Auto sitzen bleiben, bis es ihm besser geht und er selbst ins Centro geht. Inzwischen gehe ich zur Bushaltestelle und fahre mit dem öffentlichen Bus nach Hause – und ich bin aus dem Gelände gegangen.

Draussen stand ich natürlich vor dem Tor – versteckt, auf Abruf. Es tat sich nichts. Sie versuchten es immer mal wieder mit dem einen, mit dem anderen Mitarbeiter – nichts, einfach nichts. Nach 20 Minuten haben sie mich dann doch wieder rein gerufen, wir haben es nochmal zusammen versucht – keine Chance.

Dann bin ich erstmal wieder ins Centro hinein, abwartend, habe einen Kaffee getrunken. Als dann die erste grosse Pause war, brachten sie dann seine kleine Freundin mit nach draussen (inzwischen unser As im Ärmel, unser letzter Trumpf – das muss es aber auch bleiben, denn er soll ja von sich aus, wie früher, wieder ins Centro gehen, und dieser Trumpf darf nicht "abstumpfen").

Und nach weiteren 15 Minuten gelang es dann tatsächlich – Y. stieg freiwillig aus dem Auto aus, an der Hand seiner kleinen Freundin (die er aber von Anfang an nur immer beschützen will, sonst nichts – sie ist so klein, so schüchtern …) und zusammen mit fast schon einem ganzen Empfangs-Komitee ins Centro.

Ich aus der anderen Türe schnell raus, ins Auto, das Tor wurde inzwischen geöffnet – da sind alle schon „geeicht“ und ich bin rausgefahren. Draussen hielt ich nochmal an, vergewisserte mich: ja, die Tür war wieder zu, Y. drinnen im Centro. Alles gut. Diese Aktion dauerte heute zwei Stunden.

Alle Beteiligten von heute, die Mitarbeiter vom Centro wie auch wir Eltern sind überzeugt davon, dass dieser massive Widerstand durch die Depression mit dem wieder Eingewöhnen an die Routine nach der langen Sommerpause zu tun hat.

Ab morgen kommt der Kleinbus mit seinen Freunden drin tatsächlich zum Abholen bis vor die Haustüre gefahren (normalerweise Abholen an einer Bushalte-Station im Ort), um hoffentlich Y. das Lösen von zuhause zu erleichtern – sie machen wirklich so viel Gutes!

 

 

Wie bekomme ich solche Situationen, die für manch einen puren Stress bedeuten, in der Zwischenzeit so ruhig hin? Da spielt vieles eine grosse Rolle.

1.       Das Verständnis – Depression ist eine Krankheit, eine tief eingreifende Krankheit, die den Erkrankten wohl immer wieder im Heilungsprozess in eine tiefe, schwere, schwarze Morast-Masse zieht. Widerstand, Hoffnungslosigkeit, Antriebslosigkeit, fehlende Motivation ist keine (böse) Absicht, sondern der sichtbare Teil der Krankheit, der ja nicht immer und ständig so arg ist.

2.       Das Verständnis dafür, dass der Heilungsprozess stufenförmig verläuft – es geht immer mal wieder einen Schritt zurück, daran muss ich nicht ständig denken, aber wenn es soweit ist, dann als solches sein lassen. Morgen sieht es wahrscheinlich schon wieder ganz anders aus.

3.       Beständiges Achten auf mich selbst, auf meine Nerven, auf meine innere Ausgeglichenheit – also Achtsamkeit auf mich selbst, Selbstliebe. Alles tun, was mir guttut! Und das ist nicht shoppen gehen. Es ist eine Aufmerksamkeit auf das, was ich fühle und der Umgang damit. Es ist die Klarheit, was ich möchte für mich – und die Umsetzung. Nicht abbringen lassen davon. Ich kann vielleicht noch die Zeit dafür eingrenzen, mich aber nicht davon abbringen lassen.

4.       Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Das darf man nicht vergessen. Es gibt so viele Situationen am Tag, an denen man zumindest lächeln kann. Das tut allen gut.

5.       Verständnis für die jeweilige Persönlichkeit der weiteren, nahen Familienmitglieder. Jede, jeder reagiert auf bestimmte Situationen anders. Jeder bringt seine eigenen Erfahrungen, Erlebnisse mit. Sein lassen, mit Achtsamkeit, und darüber reden, wenn es gewünscht ist.

6.       Geduld – und ganz viel Liebe für alle Beteiligten. Das geht. Echt.

7.       Wichtig – alles Äussere existiert in solchen brenzligen Situationen nicht, darf einfach keine Priorität haben, es existiert nur das JETZT, der Fokus auf das JETZT. Dann geht das mit der Geduld, mit der Ruhe, mit dem Verständnis auch viel leichter.

Und alle, wirklich alle tools, Mittel und Wege, um dorthin zu kommen als pflegender Angehörige/Angehöriger sind geeignet und wertvoll.

Eines meiner tools - Handarbeit. Ich liebe es!


So, und deshalb schliesse ich hier den post und trinke erstmal – in Ruhe – eine Tasse Kaffee.

 

Bis zum nächsten Mal,

euere Christina


#Depression #LebenMitDepression #AlltagMitDepression #DepressionBeiFamilienmitglied #pflegendeAngehörige #pflegenderAngehöriger 

 

Mittwoch, 12. Juli 2023

Heute wurde ich von fb an den 12. Juli 2021 erinnert.

 

In einer kleinen Bar im Norden von Madrid


Heute wurde ich von fb mit diesem Foto oben an den 12. Juli von vor zwei Jahren erinnert.

Da fing die grosse Reise an.

Oder besser gesagt, da waren wir an einem Anfang in Richtung Shut Down kurze Zeit später. Das wusste ich da natürlich noch nicht.

Zu dieser Zeit hatte er schon seit März Anzeichen einer seelischen Verstimmung. Die Psychologin seiner Werkstätte war längst schon eingeweiht. Anfänglich hatte sie zwar ein wenig Zweifel an meinen Beobachtungen, im Verlauf von ein paar Wochen allerdings bestätigte sie mir eine gewisse Veränderung bei Yannick nun auch in der Werkstätte.

Die C.-Zeit hatte nun auch endlich bei uns in der Familie Spuren hinterlassen, obwohl wir alle sowohl hier in Spanien wie auch die Familie in Deutschland bis hierhin gut durchgekommen sind, also körperlich wie auch psychisch.

Die erste Zeit, von Februar bis September 2020, nach der ersten Schliessung der Werkstätte und der Schule meiner Tochter hatten wir es uns recht "gemütlich" gemacht zu Hause: mein Mann und ich arbeiteten sowieso schon seit Jahren von zu Hause aus, meine Tochter hatte home-schooling per Zoom, und für die Nutzer der Werkstätte wurde nach einer gewissen Zeit auch sowohl von der Werkstätte wie auch von der FSDM aus per live-Übertragungen und schriftlichen Unterlagen für Beschäftigung zuhause gesorgt.

Ab September wurde die Werkstätte wieder geöffnet mit allen Sicherheits-Massnahmen: NUR noch mit Maske, ständiges Desinfizieren, mit Abstand den Tag miteinander verbringen - DAS war sehr, sehr hart für meinen Sohn, es war für ihn so unverständlich, so absolut abstrakt, nicht sichtbar, riechbar, spürbar. Wie erklärst du diese Zeit einem Menschen, der psychisch beeinträchtigt ist, so, dass er es versteht. Uns gelang das nicht. Und wir habe es uns so sehr gewünscht. Wochenweise wurde die Werkstätte geschlossen und wieder geöffnet, ein Hin und Her bis zu den Weihnachtsferien.

Zu Neujahr fand dann die Mikrobe auch IN unser Haus: nachdem wir erst eine Woche nach der Ansteckung erfuhren, dass die Tatsache so ist und wir logischerweise uns immer zusammen in den Zimmern aufhielten, infizierte sich im Verlauf der Zeit die ganze Familie gegenseitig.

Das war für Y wieder so, so schwer zu verstehen: seine Schwester in ihrem Zimmer tagelang in Quarantäne. Während dieser Zeit war ich infiziert - ich ging für die 10 Tage in Y`s Zimmer in Quarantäne - zwei Mitglieder von Y's Familie, jedes einzeln in einem Zimmer (für ihn) weggesperrt.

Als dann mein Mann infiziert war, war es bei meiner Tochter und mir schon wieder vorbei, also blieben wir jetzt alle zusammen im Haus, um trotz allem Y eine gewisse Sicherheit zu vermitteln.

Dann kam Philomena! Ein nie da gewesener Schneesturm mit Verwehungen bis zum Fenster in Parterre. Und das hier in Madrid! Während dieses Spektakel für meinen Mann, meine Tochter und mich eher etwas total Berauschendes war - war es für Y wohl eine riesige Bedrohung, das wir bei ihm nicht als solches bemerkt haben.

 Als dann mein Mann wieder gesund war und im Februar endlich auch die Werkstätte wieder geöffnet wurde (war nach den Weihnachtsferien zuerst auf, dann wieder geschlossen wegen Fälle), musste Y zuerst geprüft werden, bevor er wieder dorthin gehen konnte. Und da war nun auch er infiziert - ohne Symptome. Er musste erstmal 10 Tage zuhause bleiben. Danach neuer Test - immer noch positiv ohne Symptome. Nach weiteren 14 Tagen neuer Test - immer noch positiv ohne Symptome. Jetzt veranlasste die Ärztin eine Laboruntersuchung, bei der nach einer weiteren Woche feststand, dass bei Y die Werte genau an der Grenze lagen, also positiv, aber ohne Ansteckungsgefahr. Endlich, endlich durfte er wieder mit allen Massnahmen zurück in die Werkstätte und zu seinen Freunden. Aber eben weiterhin mit den Massnahmen von vor Weihnachten. Ein so schlimmer, schrecklicher, nicht aushaltbarer Zustand für Y. Das war dann schon Mitte/Ende März.

Kurz darauf war Y während der Osterzeit wieder eine Woche zuhause, ab Anfang Juli war er dann für das Sommercamp der FSDM für zwei Wochen beim Sport mit seinen Fussballfreunden angemeldet, danach noch zwei Wochen im Kultur-Camp der FSDM.

In dieser Kultur-Woche damals war Pablo Picasso mit seiner "Guernica" das Thema. Bild oben vom Y.

 
In dieser Zeit begann überhaupt die Urlaubszeit und einer nach dem anderen seiner Freunde ging noch während des Sommercamps in Urlaub. Für Y verschwanden sie, täglich einer mehr - irgendwohin. So unverständlich für ihn. Ich glaube im Nachhinein fast, dass es in seinen Augen einfach nur noch gefährlich war.

Und in dieser Zeit, während des Kulturcamps der FSDM in Madrid, entstand das Foto eingangs. Hier habe ich die Wartezeit verbracht, gefrühstückt, Strickmuster gezeichnet, an Häkelanleitungen gefeilt, stundenlang, bis es Zeit war, Y wieder abzuholen. 

Tja, da wusste ich, da wussten wir, die Familie, noch nicht, dass wir eine extrem grosse Reise angetreten waren.


#Depression #DownSyndrom #AussenArbeitsplatz

Freitag, 26. Mai 2023

Was ich mit 30 Jahren Zusammenleben mit meinem Sohn mit Down-Syndrom bewirken will.


Da war sie plötzlich, die Frage: Was will ich bewirken? Was für einer Frage!

Hast du dir schon mal diese Frage gestellt? Also ich - ja, doch, gerade in den letzten Jahren schon immer wieder. Es ist so viel passiert seitdem ich mich aus der Blogger-Welt zurück gezogen habe. Ich hatte diesen Blog auf privat gestellt, ich wollte ihn nicht löschen. Es sind ja auch so schöne Erinnerungen drauf.

Aber seitdem ich den Blog sozusagen auf "stand by" gestellt habe, gab es ja so viele Veränderungen - draussen in der Welt, im privaten Leben und vor allem in den letzten Jahren seit 2020. Und um darüber zu schreiben, hole ich nun schon zum zweiten Mal diesen Blog aus seinem Dornröschen-Schlaf.


Rosen und Jasmin in Nachbar's Garten


Wie kam es dazu, dass ich meinen Blog wieder aufleben lasse?

Der Hintergrund ist, dass ich tatsächlich gerade seit wenigstens zwei Jahren dran bin diesen Blog wieder zu schreiben, mit dem, was mich tagtäglich so beschäftigt. Und jetzt bin ich durch verschiedene "Zufälle", also Dingen/Situationen, die mir zugefallen sind, rechtzeitig auf den workshop von Judith Peters aufmerksam gemacht worden, den sie in den letzten Tage in ihrer fb-Grupp Blog Your Purpose mit der Frage "was will ich bewirken" gemacht hat.

Einige Menschen kennen mich und meinen blog ja noch von früher mit meinen grossen Themen damals: Handarbeiten, Leben in Spanien und Shabby-Chic.

Als dann - ich meine es war in 2016 - Instagram aufkam und so viele dorthin gingen, habe ich damals auch meinen IG-account artemanoCReativ geöffnet. Ich dachte mir das so: Instragram wie ein kurzes Treffen mit schönen Fotos und kurzen Texten, den Blog dann eher wie ein gemütliches Kaffeetrinken im Wohnzimmer mit Fotos und ausführlicherem Text. Aber - das Bloggen wurde bei allen immer weniger, Instagram immer mehr - bei mir dann auch.


Madrid mit Palast (Palacio Real) und Skyline


Aber jetzt bin ich auf neuen Pfaden unterwegs, die letztendlich gar nicht so neu sind. 

Ich komme nicht dran vorbei, die C.-Zeit zu erwähnen, denn dadurch bin ich da hin gekommen, wo ich heute bin, an die Frage was ich in der Welt bewirken will, meine Bestimmung, besser gesagt meine Berufung. Hört sich sehr mächtig an, ist es aber am Ende gar nicht. Denn jede/r von uns möchte doch eigentlich etwas Gutes auf die Füsse stellen, etwas hinterlassen, was anderen nützlich ist, gut tut. Veränderungen, Verbesserungen ...

In dieser Mikrobenzeit - und auch vorher schon - hat sich meine webside artemanoCReativ mit meiner eigenen Linie "summerroses in winterwool" (handgestrickte Woll-Accesoires für den Winter, bestickt mit Rosenmotiven) entwickelt. Seitdem habe ich gestrickt wie noch nie (und scheinbar doch mit ziemlichem Talent-Potential) - und mit so viel Spass und Leidenschaft, wie ich mir das vorher nie gedacht habe. Motive entwickeln, umsetzen in Stulpen und Mützen, Fotos davon auf Instagram, jetzt auch sukzessive daraus Anleitungen schreiben - und dann die vielen, lieben Kommentare und Nachrichten, wenn die Kundinnen alles erhalten haben und sich immer so, so sehr darüber gefreut haben - das ist einfach ein traumschönes Gefühl, jeder Kommentar eine weitere Motivation.

Und direkt noch während dem Stricken schossen mir immer wieder neue Ideen, neue Modelle in den Kopf. Ich bin fast nicht nachgekommen mit Aufträge stricken und Neues auf Papier zu bringen. Ich bin tatsächlich fürs Stricken aufgestanden, oft sogar frühmorgens um 4 Uhr!


summer roses in winter wool



Dann kam das sogenannte "Zurück zur Normalität"...

Der Wermutstropfen allerdings, nachdem wir alle nach dieser langen C.-Zeit wieder aus dem Haus durften, allerdings nur mit entsprechenden Sicherheitsmassnahmen halbwegs wieder am "normalen" Leben teilnehmen durften, bahnte sich bei meinem Sohn (29, Down-Syndrom) langsam, aber im Laufe der Zeit dann doch für mich immer stärker bemerkbar, eine depressive Phase an, die im Sommer 2021 ihren echt absoluten Höhepunkt fand mit einer tiefen Depression mit echt riesengrossen Angstzuständen und Panikattacken.

Zwei intensive Jahre mit einer täglichen Achterbahn der Gefühle und Emotionen liegen nun hinter uns. Und aktuell, also jetzt Mai 2023, haben wir insgesamt als Familie immer noch täglich ziemlich damit zu tun, wenn auch zwischenzeitlich allerdings schon Besserungen eingetreten sind.


Bild von meinem Sohn in Öl auf Leinwand Wettbewerb Renoir 2016


... und damit das, was ich in Zukunft noch bewirken will.

Das Leben zusammen mit einem Familienmitglied mit einer intellektuellen Beeinträchtigung kannten wir ja schon seit fast 30 Jahren. Das machte den Alltag also immer schon etwas besonders und anders.

 Ich hatte in dieser Zeit auch immer wieder Ideen, wie ich meine Interessen, Talente und Hobbies in irgendeiner Form beruflich für psychisch beeinträchtigte Kinder und deren Familien nutzen könnte. In diese Richtung hatte es mich eigentlich seit Y's Geburt immer schon hingezogen.

Doch erst jetzt durch und mit der täglichen Konfrontation mit diesem dunklen Monster, der Depression von Y und wie dieses die ganze Familie beeinflusst, hat sich in diesen letzten zwei Jahren bei mir meine eindeutig heraus kristallisiert, was mein Ding ist, wohin es mich zieht, was ich zusätzlich noch bewirken möchte: ich werde zukünftig Mütter (aber natürlich auch andere Bezugspersonen) von Kindern mit psychischer Erkrankung und/oder intellektueller Beeinträchtigung begleiten, damit sie ihren sehr herausfordernden Alltag mit und für ihre Familie gestärkt und in Liebe meistern.

Was ich als Mutter eines Sohnes mit Down-Syndrom + einer Depression hinterlassen will.

Mein grosser Wunsch ist, dass in das Leben dieser betroffenen Familie mehr Glück, mehr Entspannung, mehr Fröhlichkeit, Stärke und Leichtigkeit einziehen und dadurch Schwierigkeiten und Probleme im Alltag eingedämmt werden.




Y. beim Eisessen, vor 2020


Hier sehe ich ein grosses, ständig wachsendes Potential, diesen Mütter, Väter, Bezugspersonen zu helfen. Mit meinen eigenen langjährigen Erfahrungen und Erkenntnissen, gerade in den letzten Jahren zusätzlich im Umgang mit der Depression, werde ich zukünftig meine Unterstützung anbieten.

Ganz liebe Grüsse,

Christina






Sonntag, 1. November 2020

Kürbiszeit

 (Mein blog lebt wieder auf, ich freu' mich richtig drauf.) 





Was machst Du, wenn Du für Deine Herbst-Deko heissgeliebte Baby-Boos verwenden möchtest und diese nicht bekommst. Ok, dafür hast du verschiedenen Möglichkeiten: entweder du nimmst einen kleinen Zierkürbis in grün oder orange und malst ihn mit weisser Kreidefarbe an. Aber - momentan ist es ja nicht ganz einfach welche zu besorgen. Eine weitere Möglichkeit ist, selbst welche zu machen. 

Dieses Jahr habe ich mich dazu entschlossen, einen schönen grossen Kürbis zum befüllen, also innen hohl und mit Deckel in weiss zu häkeln. 

Dazu habe ich in pinterest eine Gratis-Anleitung (hier) gefunden, die ich übersetzt und als nächsten CAL in meiner fb-Gruppe summer roses in winter wool (hier) vorgestellt habe:
 


In drei aufeinander folgenden "LIVES" haben wir jeweils begonnen, die verschiedenen Teile zu häkeln und nach drei Wochen wurden auch schon Fotos der ersten fertig gehäkelten Kürbisse in die Gruppe (hier) eingestellt.

Gerade rechtzeitig zu Halloween sind viele dieser tollen Kürbisse zum befüllen fertig geworden, wie ihr in der Collage unten sehen könnt. Jeder Kürbis so, wie's seinem Besitzer gefällt.



Meine Strickkürbisse, für die ich vor ein paar Jahren (s. hier) schon eine Anleitung geschrieben habe, sind zur Deko natürlich auch wieder dazu gekommen. Die Anleitung könnt ihr übrigens in meiner Webseite (hier) finden und kaufen.

                  



Und dann wurde noch ein bisschen für Halloween dekoriert. Läuft ja dieses Jahr auch alles etwas leiser ab und zurückhaltener ab.





Jetzt geniesse ich noch ein bisschen meine Herbstdeko und überlege mir schon mal was Hübsches, was wir in meinem nächsten CAL in der fb-Gruppe (hier) machen könnten. Sicherlich schon etwas für den Advent.


Liebste Grüsse und mil besitos,
Christl

Dienstag, 31. Januar 2017

Januar-Rückblick

 
Ins neue Jahr geh' ich eigentlich immer mit vielen Plänen und Vorhaben.
 
Der Olivenbaum hatte dringend einen Rückschnitt nötig. Ich werde ihn von jetzt ab monatlich "verfolgen" und damit beim 12tel Blick von Tabea Heinicker mitmachen, falls es den noch gibt. Wenn nicht, mache ich meinen eigenen :oD

 
 
Das Zimmer meines Sohnes hatte auch dringendst eine Renovierung nötig. Das haben wir noch in den Ferien geschafft. Von der Räuberhöhle zum 1-Zimmer-Apartement :oD Darüber werde ich noch einen eigenen post einstellen.

 
 
Für eine Wintertaufe durfte ich wieder meine Stricknadeln rausholen und etwas ganz Feines zaubern :o)



 
Dieses Frühlingskissen kennt ihr ja schon vom letzten post (hier) . Komisch, schon beim Häkeln und Nähen hatte ich schon das nächste im Kopf. Kissenliebe halt!


 
Aber zuerst wollte ich mir noch einen Schal stricken. Schlicht und einfach, flauschig weich und warm, ruck-zuck mit dicken Nadeln im falschen Patentmuster.


 
Auch die Hummeln sind schon fleissig :o)
 
 
Und da ist es: das 2. Frühlingskissen. Mit einem verliebten Katzenpärchen und vielen Herzerln, aus Leinen, Musselin und Häkeleien ... Vielleicht als Valentins-Geschenk?
 
Nachtrag 06.02.: jetzt auch in meinem DaWanda-G'schäftle eingestellt :o)
 


 
Und jetzt brauche ich noch einen warmen, superflauschigen Pullover aus Alpaka.

 
Das war ein erfüllter Januar!
 
Mil besitos,
Christl

 
verlinkt mit: Creadienstag

Dienstag, 24. Januar 2017

Grosse Kissenliebe - gran pasión por cojines


 
Ein fröhliches und gutes Neues Jahr wünsche ich Euch noch. Ja, es gibt mich noch. Und ja, ich bin auch immer noch kreativ. So ist ein neues romantisches und zartes Kissen entstanden.

 
Frühling, Vögelchen, Herzen - vielleicht schon für den Valentinstag? Im Material-Mix aus festem Baumwollstoff, Mousline und BW-Garn, mit praktischem Hotel-Verschluss; gehäkelt, genäht und appliziert. Ich liebe es jetzt schon.
 
Nachtrag 06.02.: jetzt auch in meinem DaWanda-G'schäftle eingestellt :o)

 
Mil besitos,
Christl

 
verlinkt mit: Creadienstag#263